Blumen und Argumente
zum Internationalen Frauentag

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Anläßlich des Internationalen Frauentages verteilten die Femmes Communistes rote Nelken und Rosen an Verkäuferinnen im Stadtzentrum von Esch/Alzette. Neben dem Blumengeschenk gab es handfeste Argumente gegen die von der CSV-Ministerin Françoise Hetto-Gaasch dekretierte Ausweitung der Ladenöffnungszeiten an Samstagen bis 20 Uhr.

Ohne mit den Gewerkschaften auch nur gesprochen zu haben, hatte Hetto-Gaasch, die neben dem Mittelstands- und dem Tourismusministerium auch das für Chancengleichheit leitet, diese angeblich der »Wettbewerbsfähigkeit« des Luxemburger Einzelhandels dienende Maßnahme im vergangenen Juni für zunächst ein Jahr angeordnet.

Im Flugblatt der Femmes Communistes wird diese Anordnung der sich »christlich-sozial« gebenden Frau Hetto-Gaasch als »massive Verschlechterung der Arbeitsqualität im Commerce« bezeichnet, in dem bekanntlich vor allem Frauen ihre Arbeitskraft verkaufen.

Frauen demonstrieren Einigkeit

Unter dem kämpferischen Motto »100 Joer Internationale Fraendag – 2011 esou aktuell wéi 1911« fand zudem am 8. März eine Manifestation von 16 Organisationen, darunter die Femmes Communistes, vor dem Parlament statt. Bei der von etwa 300 Frauen besuchten Kundgebung, die vom Cid-femmes initiiert wurde, fiel auf, daß die von den einzelnen Organisationen vorgetragenen Forderungen über Parteigrenzen hinweg mit Applaus bedacht wurden.

Für die Femmes Communistes sprach Marceline Waringo, die es als Notwenigkeit bezeichnete, »daß Frauen und Männer im Kampf für Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Fortschritt solidarisch handeln und zum Beispiel in der Praxis gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen«. Denn eine wirkliche Lösung der Frauenfrage sei nur dann möglich, »wenn die materiellen und sozialen Wurzeln der Ungleichheit beseitigt werden«.

Nicht wichtig sei hingegen, »ob es bei den Aktionären und den Managern eine Parität zwischen Mann und Frau gibt«, so Marceline Waringo, vielmehr komme es darauf an, daß die Eigentumsverhältnisse grundlegend verändert werden, »so daß die Schaffenden selbst und nicht eine Minderheit von Privilegierten über das Leben der großen Mehrheit der schaffenden Menschen entscheiden können«.


Die Forderungen der Femmes Communistes

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Jeder Frau, die arbeiten will, muss die Möglichkeit gegeben werden, entsprechend ihrer Qualifikation, ihr Recht auf Arbeit in Anspruch zu nehmen. Gerade in Zeiten der Krise wird versucht, die Frauen verstärkt in Teilzeitarbeit zu drücken oder vom Arbeitsmarkt in die Arbeitslosigkeit zu drängen. Dies ist auch in traditionell spezifischen Frauenberufen festzustellen. Deshalb fordern wir:

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Einstellungs- und Aufstiegschancen in Betrieben und Verwaltungen. Denn die niedrigen Löhne, mit denen die Frauen in verschiedenen Berufen abgespeist werden, führen automatisch zu niedrigen Pensionen, und tragen dazu bei, dass viele Frauen später in die Armut abrutschen.

Schaffung neuer Arbeitsplätze mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten in den Betrieben, auch für Schichtarbeiterinnen.

Die Zahl der öffentlichen Kinderkrippen muss ausgebaut, ihre Qualität verbessert, den Bedürfnissen angepasst und vom Preis her vor allem für Kinder aus sozial schwachen Familien oder mit nur einem Elternteil jederzeit zugänglich sein.

Jeder, der die Dienstleistungsschecks in Anspruch nehmen will, muss einen Platz bekommen. Qualifiziertes Personal muss hierzu, falls erforderlich, eingestellt werden.

Einführung der Ganztagsschule mit Schulkantinen, außerschulischer Betreuung und kostenloser Hausaufgabenhilfe für alle Kinder.

Sofortige Abschaffung der Doppelbesteuerung von verheirateten Paaren.

Wiedereinführung der Indexierung aller Familienzulagen (Kindergeld, Elternurlaub und Erziehungszulagen).

Maßnahmen gegen die vielfältigen Formen von Belästigung, Mobbing und Gewalt, denen die Frauen im öffentlichen und privaten Bereich ausgesetzt sind.

Das Recht der Frauen, über den Abbruch einer Schwangerschaft selbst zu entscheiden. Ein Schwangerschaftsabbruch ohne jegliche Indika­tion muss möglich und gesetzlich geregelt sein

Die strafrechtliche Verfolgung der Frau muss aus Artikel 353 des Strafgesetzbuches herausgenommen werden.

Alle Verhütungsmittel und die mit einer Schwangerschaftsverhütung oder -unterbrechung in Verbindung stehenden medizinischen Eingriffe müssen von der Krankkasse für alle Altersgruppen zurückerstattet werden. (nicht nur bis 25 Jahre).

Schwerpunkt muss auf der Prävention liegen, deren Voraussetzung vor allem ein zeitgemäßer Sexualkundeunterricht in der Schule für alle Altersgruppen ist.

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Les revendications des Femmes Communistes


Chaque femme qui désire travailler doit pouvoir pleinement jouir, conformément à sa qualification, de son droit au travail. C’est en effet particulièrement en temps de crise que l’on tente de pousser davantage les femmes vers le travail partiel ou vers le chômage. Cela peut être également constaté dans des métiers traditionnellement féminins. Pour cela nous exigeons :

Même salaire pour un même travail dans l’entreprise et possibilités d’embauche et d’avancement égales pour tous. En effet, les bas salaires dont doivent actuellement se contenter les femmes dans différents métiers, entraînent nécessairement des pensions trop faibles et contribuent à faire glisser de nombreuses femmes dans la misère.

La création dans les entreprises de nouvelles places de travail accompagnées de possibilités de garde d’enfants.

Les structures des garderies publiques doivent être développées tant en nombre qu’en qualité afin d’être conformes aux besoins, et leurs prix doivent être accessibles, surtout aux enfants de familles socialement faibles et monoparentales.

Chacun qui désire profiter du système « cheque emploi service » doit pouvoir obtenir une place de travail. Pour atteindre ce but il faut, si nécessaire, engager du personnel qualifié.

Introduction de la journée scolaire complète pour tous les enfants, complétée par des cantines scolaires, l’accompagnement postscolaire et l’aide gratuite aux devoirs.

L’abolition immédiate de la double imposition des couples mariés. 

Réintroduction de l’indexation de toutes les allocations familiales. 

Des mesures efficientes et effectivement appliquées contre les multiples formes de violence (mobbing, harcèlement sexuel, etc.)auxquelles les femmes sont exposées tant dans la sphère privée que publique. 

Le droit des femmes à décider elles mêmes d’une interruption de grossesse.

L’interruption volontaire de grossesse (IVG) sans aucune indication doit être possible et légalement autorisée. Les poursuites y relatives suivant l’article 353 du Code pénal doivent être abrogées.

Tous les contraceptifs et les actes médicaux en relation avec une prévention ou une interruption de grossesse, doivent être pris en charge par la caisse de maladie pour tous les groupes d’âge (et non seulement jusque 25 ans).

L’accent doit être mis sur la prévention, dont la prémisse est une éducation sexuelle moderne complète et sans tabous à l’école dans toutes les classes d’âge.

Gegen Flexibilisierung, Lohn- und Arbeitsplatzabbau

Frauen dürfen nicht abseits stehen

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Nach wie vor ist die kapitalistische Gesellschaft geprägt vom familiären Rollenbild des »männlichen Familienhalters« und der »weiblichen Dazuverdienenden«. Tatsache aber ist, dass die meisten Frauen einer Erwerbstätigkeit nachgehen müssen, um ihren Lebensunterhalt, und gegebenenfalls den ihrer Familie zu sichern. So werden heute in den offiziellen Statistiken nahezu 130.000 weibliche Lohnabhängige geführt. Ein großer Teil davon ist im Handel beschäftigt. Ein Wirtschaftssektor, in dem die Probleme recht groß sind und stetig wachsen.

Dies sowohl im Groß- wie auch im Kleinhandel, zumal in kleineren Geschäften die Beschäftigten nicht kollektivvertraglich abgesichert sind. Die Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Personalmangel, Stress, zunehmender Konkurrenzkampf sowie die ständigen Forderungen des Patronats nach verlängerten Öffnungszeiten haben dazu geführt, dass sich das Arbeitsklima zusehends verschlechtert hat.

Hinzu kommt, dass es Frauen aufgrund der völligen Deregulierung der Arbeitsorganisation (Flexibilisierung) immer schwerer haben, um Beruf, Familie und Freizeit in Einklang zu bringen. Und dies meist zu einem Lohn, der nicht oder kaum höher ist als der Mindestlohn.

Seit dem Beginn der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise, deren Lasten einseitig auf die Schaffenden abgewälzt werden, hat sich die Situation weiter verschlechtert. Stellen werden abgebaut, den Beschäftigten wird Mehrarbeit aufgebrummt, Zuschüsse werden beschnitten, Gratifikationen in Einkaufsgutscheine umgewandelt, in so manchen Betrieben werden Löhne nur mehr unregelmäßig gezahlt oder gar vorenthalten. In zunehmendem Maße werden heute bei Neueinstellungen zeitlich begrenzte, statt den früher üblichen unbefristeten Arbeitsverträgen abgeschlossen.

Die Profitgier zahlreicher Betriebsinhaber kennt heute keine Grenzen mehr. Ein Paradebeispiel hierfür liefern derzeit die Aktionäre der Brauerei Diekirch. Obwohl dieser Betrieb bisher beträchtliche Gewinne erwirtschaftet, beschlossen einige wenige Kapitalisten, die Produktion nach Belgien auszulagern, um später beim Verkauf des Geländes das große Geschäft zu machen. Davon betroffen sind 63 Mitarbeiter, denen rücksichtslos der Stuhl vor die Tür gesetzt wird. Realer Kapitalismus!

Im letzten Jahr verloren durch Pleiten, Produktionseinstellungen und Betriebs- sowie Geschäftss­chließ­ungen tausende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Eine Entwicklung, die, sollte sich in der Frage der Besitzverhältnisse nichts Grundlegendes ändern, auch in nächster Zukunft nicht zu stoppen sein wird. Der Drang großer Unternehmer nach Expansion und Profitmaximierung auf Kosten kleinerer Betriebe wird zur Folge haben, dass die Großen nicht nur den Markt dominieren, sondern einseitig auch über die Existenz der Schaffenden bestimmen werden.

Die einzige Alternative, um sich dieser dramatischen Entwicklung entgegenzustemmen, besteht darin, dass die Schaffenden solidarisch ihre Kräfte bündeln und dem Finanz- und Großkapital den Kampf ansagen. Berücksichtigen sollten sie allerdings dabei, dass die herrschende Klasse nur dann zu Kompromissen zugunsten der Erwerbstätigen bereit sein wird, wenn die Schaffenden damit beginnen, den Kapitalismus in Frage zu stellen.

Marceline Waringo

Heldenhafte Frauen in der Resistenz

In Erinnerung an Gredy Bausch

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Als am 10. Mai 1940 die deutschen Hitlertruppen unser Land überfielen, waren es auch Frauen, die sich im Widerstand organisierten.

In manchen Darstellungen zur Geschichte des Widerstandes werden fast immer die Frauen vergessen, es werden vor allem die Leistungen der männlichen Resistenzler erwähnt. Dabei spielten Frauen eine wichtige Rolle als Kuriere, bei der Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen, bei der Verpflegung der Refraktäre im »Hondsbösch« in Niederkorn, um nur einige Beispiele zu nennen.

Schon bei der Kampagne gegen das berüchtigte Maulkorbgesetz 1936, das die Kommunistische Partei verbieten sollte, spielten Frauen eine große Rolle. Auch halfen Frauen in der illegalen Kommunistischen Partei während der nazistischen Besatzung unsres Landes im Zweiten Weltkrieg. Zu ihnen zählten Claire Urbany, Maus Demuth, Maggy Moes und Gredy Bausch.

Gredy Bausch-Regenwetter wurde in Steinsel als 12. von 13 Kindern geboren. Mit 16 Jahren musste sie sich als Tagelöhnerin bei den Bauern verdingen. Mit 24 Jahren heiratete sie den Nachbarjungen Nik. Bausch. Er hatte schon mit 16 Jahren im Rümelinger Bergbau zu arbeiten. Man fälschte sein Alter auf den offiziellen Papieren, damit er früher Geld verdienen konnte, auch wenn der Bergarbeiterlohn damals sehr klein war.

Weil er erkannte, dass die Kommunisten es ernst meinten und mit der kapitalistischen Ausbeuterordnung radikal brechen wollten, wechselte Nik. von der Sozialistischen zur Kommunistischen Partei. Sein Mitgliedsbuch hinterlegte er zuhause in einem Topf im Küchenschrank. Als Gredy die Karte fand, sagte sie, »das hättest du mir auch sagen können« und unterstützte Nik. ab dann bei allen Aktionen.

Auf einer der vielen Demonstrationen trug »Tata Bausch«, wie sie genannt wurde, ein Plakat, auf dem stand »Mehr Lohn«. Die Polizei versuchte die Menschen auseinander zu treiben. Plötzlich sah sie, wie die Polizei ihren Nik. unsanft behandelte. Sie drückte einem Polizeikommissar ihr Plakat in die Hand und schlug auf den Gendarmen ein, der ihren Nik. festhielt. Der Gendarm war so sprachlos, dass er den Nik. losließ und dieser fortlaufen konnte. 

Nachdem die Nazis unser Land überfallen hatten, kam es bereits im Juli 1941 zu einer größeren Verhaftungswelle gegen die Kommunisten, die als einzige politische Partei in die Illegalität gegangen waren. Auch Nik. Bausch, führendes Mitglied der illegalen Parteileitung, wurde gefasst. Als er von der Gestapo geholt wurde, sagte Tata Bausch: Mach dir keine Sorgen um mich, ich schlage mich schon durch. Auf der Gestapo sagte man ihr: »Schade um diesen Mann, aber er wird nicht wiederkommen«, und schlug ihr die Zähne ein.

Tata Bausch machte ihre illegale Arbeit dennoch weiter. Sie lief zu den andern kommunistischen Resistenzlern, um sie zu warnen. Sie traf sich heimlich mit den Genossen, um illegale Flugzettelaktionen vorzubereiten und ging auch zu den Frauen der Verhafteten, um ihnen und ihren Kindern Unterstützungsgelder der Partei zu geben.

Eines Tages kam ein Brief von der Gestapo in dem stand: »Ihr Mann ist tot«.

Tata Bausch blieb der Kommunistischen Partei ihr Leben lang treu. 1948 kandidierte sie noch auf der Liste der KPL in Rümelingen.

Ihr Nik. wäre bestimmt stolz auf sie gewesen, denn so selbstverständlich war es damals nicht, sich als Frau politisch zu engagieren.

1986 starb Tata Bausch. Ihre Bescheidenheit und ihr stiller Mut waren bewundernswert. Daran sollte auch in Zukunft erinnert werden.

Babette Ruckert


Schwangerschaftsabbruch –
eine endlose Geschichte?

Wer bestimmt darüber, ob und wann eine Frau Mutter werden will? 

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Die Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs ist eine endlose Geschichte, eine Geschichte, die von Anfang an bis heute das Recht der Selbstbestimmung der Frauen mit Füßen getreten hat.

In Preußen war zu Beginn des letzten Jahrhunderts die künstliche Geburtenbeschränkung ein Verbrechen am Staate und sie fördern, hieße der Unmoral die Hand bieten (Preußischer Wohlfahrtsminister Dr. h. c. Hirtsiefer). Er wollte um jeden Preis den Gebärzwang mittels des Paragraphen 218 aufrechterhalten, ohne Rücksicht darauf, dass viele Arbeiterfrauen zu den Kurpfuscherinnen getrieben wurden, und durch eine unsachgemäße Abtreibung oft jämmerlich sterben mussten.

Ist das nun Geschichte oder erinnert uns das nicht an etwas?

Fast genau vier Wochen ist es her, dass im Bistumsblatt die ungekürzte Fassung einer Erklärung, unterschrieben von Erzbischof Fernand Frank, abgedruckt wurde. Das Geset­zesprojekt 6103, das ein Schlag ins Gesicht der fortschrittlichen Frauenbewegung in dem seit Jahrzehnten geführten Kampf um das Recht auf Selbstbestimmung sein muss, geht der Kirche schon viel zu weit. Zitat: Es genügt nicht, den Schwangerschaftsabbruch moralisch zu verurteilen; es ist vielmehr alles Menschenmögliche zu tun und zu fördern, was die Tötung des ungeborenen Kindes verhindern kann.

Des Weiteren läuft die Kirche Sturm gegen die soziale Indikation und hat wahrscheinlich keine Vorstellung, welche Gründe eine Frau dazu bringen könnten, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Keiner unserer frommen Kirchenväter spricht jedoch davon (noch nicht einmal hinter vorgehaltener Hand), dass es gegen ein entsprechendes Entgelt auch hier im Land möglich war und ist, kleine Betriebsunfälle in bestimmten Kreisen zu regeln. Wer keine Beziehungen hat, muss ins Ausland und dafür tief in die Tasche greifen.

Was bringt das Gesetzes­projekt an Neuheiten, wird es doch von unserer derzeitigen Regierungskoalition, bestehend aus CSV und LSAP, als großer Fortschritt im Vergleich zum Abtreibungsgesetz von 1978 angepriesen?

Festzustellen ist, dass die geplante Einführung der sozialen Indikation, der einzige Lichtstreif am kleinen (oder besser am kleinkarierten) Horizont unseres Luxemburger Ländchens ist. Doch dieser Vorschlag ist mit großer Vorsicht zu genießen. Ist die medizinische Indikation noch ganz klar zu definieren (das heißt, wenn eine Schwangerschaft eine Gefahr für die physische und psychische Gesundheit der Frau bedeutet), so muss man sich fragen, wer darüber entscheidet, welche Frau nun aus sozialen Erwägungen eine Abtreibung vornehmen kann oder nicht. In Zeiten der Krise (und es besteht kein Zweifel daran, dass wir uns im Moment in einer solchen befinden), ist die Existenzangst bei Frauen nebst ihren Männern groß. Es stellt sich die Frage: Welche Zukunft kann ich meinem Kind bieten oder hat es überhaupt noch einen Sinn in diese Welt voller Ungewissheit, ein Kind mit einzuplanen?

Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt beweisen es: Betriebe werden von heute auf morgen geschlossen und sie oder er steht auf der Straße und hat wenig Aussicht auf weitere Arbeit. Was tun?

Laut diesem Gesetzesvorschlag soll die geplante Zwangsberatung dem nun Abhilfe schaffen. Ratschläge sollen die schwangeren Frauen unterstützen, mit der Schwangerschaft fertig zu werden. Oder sollen sie etwa dazu dienen, den Frauen abzuraten, einen Abbruch durchzuführen? Dies richtet sich gegen das elementare Recht der Frauen auf Selbstbestimmung. Wer, wenn nicht sie, kann darüber entscheiden, ob sie die Möglichkeit hat, ein Kind großzuziehen oder nicht, ob sie ein Kind will oder nicht? Die Frage nach der Besetzung und Kompetenz dieser Beratungsstelle ist sowieso nicht klar und man kommt nicht umhin, zu denken, dass ein Schwangerschaftsabbruch so schwer wie möglich gemacht werden soll. Sei es nur, um den Frauen ein schlechtes Gewissen einzutreiben.

Es muss deshalb gefordert werden, dass ein Schwangerschaftsabbruch ohne jegliche Indikation möglich sein muss und dass die Frauen, wenn sie es wünschen, vorher und im Anschluss auf eine kompetente medizinisch-psychologische Beratung zurückgreifen können.

Die strafrechtliche Verfolgung der Frau muss aus dem Artikel 353 des Strafgesetzbuches ohne Wenn und Aber herausgenommen werden. Es ist Sache der Frauen, nach eigenem Gewissen und der eigenen Verantwortung darüber zu entscheiden, ob sie eine ungewollte Schwangerschaft beenden wollen.

Europa, Europa, über alles in der Welt! Von der sogenannten gepriesenen Solidarität in Europa, über alle Grenzen hinweg, kann hier bei uns keine Rede sein. Wie kann es sonst sein, dass nicht vorgesehen ist, aus dem Gesetz von 1978 die Residenzklausel herauszunehmen, das heißt, eine Frau muss 3 Monate anmeldepflichtig hier im Land gewohnt haben, um überhaupt legal eine Abtreibung vornehmen zu können. Also Schluss­folgerung: Hinein in die Arme der Kurpfuscher, die heutzutage, um Geld zu verdienen, wieder neue Blüten treiben.
 
Tatsache ist jedoch, dass in dieser ganzen Diskussion das Schwergewicht auf die Prävention gelegt werden muss.

Im Gesetzesvorschlag ist eine Kostenrückerstattung für Frauen bis 25 Jahre geplant. Warum eigentlich? Anscheinend spielt sich nach 25 Jahren bei unseren Paaren, ob verheiratet, gepaxt oder nicht, kein Sexualleben mehr ab.

Hat hier vielleicht der mahnende Finger unseres Bischofs seine Spuren hinterlassen? Deshalb: Alle Verhütungsmittel und die damit in Verbindung stehenden medizinischen Eingriffe müssen von der Krankenkasse für alle Altersgruppen zurückerstattet werden.

Ein zeitgemäßer Sexualkundeunterricht an den Schulen entsprechend dem jeweiligen Alter muss zum Pflichtprogramm gehören.

Zum Schluss ein Ratschlag in eigener Sache an die Männer:

Der schon arg strapazierte Slogan Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern muss sich auf allen Ebenen konkretisieren. Es geht nicht, dass die Frauen im Kampf um ein besseres Abtreibungsgesetz allein gelassen werden. Um erfolgreich zu sein, brauchen sie die volle Unterstützung der Männer, die dadurch auch beweisen können, dass sie ihrer Verantwortung in der Partnerschaft nachkommen. Zum Schwangerwerden gehören immer noch zwei. 

Gertrud Ruckert


Petition für die Selbstbestimmung der Frauen


Die Regierung hat eine Reform des Gesetzes von 1978 »Sur l’information sexuelle, la prévention de l’avortement clandestin et la réglementation de l’interruption de la grossesse« angekündigt.

Wir wollen mehr! Frauen müssen endlich selbst entscheiden dürfen!

Wir fordern

– die Entkriminalisierung des von einer Frau gewollten Schwangerschaftsabbruchs;

– das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung. Wir sind gegen das »Projet de loi 6103 portant modification de l’article 353 du Code pénal«, insbesondere weil:

– darin die strafrechtliche Verfolgung der Frauen immer noch beibehalten wird;

– weiterhin eine Indikation (physische, psychische oder soziale Problemlage) vorliegen muss, was den Zugang zum Schwangerschaftsabbruch begrenzt;

– eine zweite, vorgeschriebene Beratung in einem dafür zugelassenen Zentrum eingeführt wird;

– die Residenzklausel von 3 Monaten fortbesteht. Wir verlangen hingegen, dass jede Frau, ohne Ausnahme, die eine ungewollte Schwangerschaft nicht austragen will:

– innerhalb einer bestimmten Frist das gesetzlich festgelegte Recht auf Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch hat;

– auf eigenen Wunsch eine hochwertige Beratung im Vorfeld in Anspruch nehmen kann;

– eine medizinisch-psychologische Betreuung sowie eine Nachsorge im Anschluss an den Abbruch erhält;

– die Kosten von der nationalen Gesundheitskasse zurückerstattet bekommt.

Das Kollektiv Si je veux - Für die Selbstbestimmung der Frau


Le nombre des femmes au chômage augmente


Le taux de chômage a atteint 6,4 % fin janvier 2010. 15.137 chômeurs (6.374 femmes et 8.763 hommes) étaient enregistrés auprès de l’administration de l’emploi, soit une hausse de 18,3% par rapport à janvier 2009 où 12.798 personnes étaient inscrites.

Ces chiffres ne tiennent pas compte de ceux bénéficiant d’une mesure de placement temporaire et des travailleurs se trouvant dans une situation de chômage partiel.

Le nombre réel des demandeurs d’emploi dépasserait vite les 20.000. Quant aux 15.137 demandeurs d’emploi inscrits, seulement 7.564 ont bénéficié de l’indemnité de chômage. (3.047 femmes et 4.517 hommes). Plus qu’un tiers des demandeurs d’emploi est inscrit auprès de l’administration de l’emploi depuis plus de 12 mois.

Les demandes de chômage partiel ont également considérablement augmenté. 116 demandes ont été introduites par des entreprises souhaitant bénéficier des dispositions relatives au chômage partiel. 105 demandes ont été avisées favorablement par le comité de conjoncture en janvier 2010. 7.029 salariés sont concernés.

Plus d’un tiers des femmes travaillent à temps partiel

Concernant la situation de la femme sur le marché de travail il est intéressant de relever que seulement 55% des femmes en âge de travailler ont un emploi. Plus d’un tiers des femmes travaillent à temps partiel. Les différences de salaire entre hommes et femmes persistent. Officiellement les femmes gagnent en moyenne pour le même travail 15 % moins que les hommes. Presque la moitié des demandeurs d’emploi a plus que 40 ans. Pour ces derniers les perspectives de retrouver un emploi sont minimes. Il est frappant que la moitié des demandeurs d’emploi a un niveau de formation inférieure alors que l’autre moitié dispose soit d’un niveau de formation moyen (34%) soit même d’un niveau de formation supérieur (14,5%).

Ces chiffres démontrent que la crise est loin d’être surmontée.

Des changements radicaux s’imposent

Les conditions de travail au sein des entreprises se dégradent de plus en plus. La crise sert de prétexte à des réductions de salaire, au non payement de gratifications et à des suppressions d’emploi. Les restructurations et avec elles les suppressions d’emploi, les fermetures et délocalisations sont à l’ordre du jour.

Des changements radicaux s’imposent en matière de politique d’emploi.

Quelques revendications qui contribueront à améliorer la situation du marché du travail :

– Investissement dans des secteurs économiques sous-développés tels que l’arboriculture et la culture maraîchère ou encore la sylviculture. De même, dans les secteurs sociaux publics, des milliers de postes de travail pourraient être créés.

– Réduction des heures supplémentaires au strict minimum avec contrainte pour les entreprises où les heures supplémentaires sont régulières à engager de nouveaux travailleurs.

– Abolition du travail intérimaire, forme d’esclavage moderne, ainsi que tous les emplois précaires.

– L’abaissement de l’âge de la retraite de 65 à 60 ans et le droit à la pension complète dès l’âge de 57 ans après 35 ans de cotisation.

– L’introduction de la semaine de 35 heures sans perte de salaire.

– La nationalisation des entreprises qui par manie de profit ferment leur porte pour s’implanter ailleurs.

N’est-il pas temps de mettre en doute « le modèle social luxembourgeois » et que les organisations syndicales sortent de la défensive ? Les mots d’ordre comme « nous ne payerons pas pour leur crise », « pour nos emplois » ou « pour notre pouvoir d’achet » restent lettre morte et ne se concrétiseront jamais dans le dialogue à travers de négociations.

Le rôle des organisations syndicales ne doit pas se limiter à la négociation de plans sociaux. La lutte pour le plein emploi doit devenir prépondérante.

Georgette Schweich


Chèque-Service: manque d’infrastructures,
manque de personnel

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Le Chèque-Service-Accueil est mis en place par le Ministère de la Famille et de l’Intégration avec les Communes.

Il s’applique aux Maisons Relais, aux Foyers de Jour, Crèches, Garderies, Internats et sous certaines conditions aux Assistants parentaux ainsi qu’aux activités de vacances reconnues par le Ministère de la Famille et de l’Intérieur.

Le Chèque-Service est entré en vigueur le 1er mars 2009 et s’adresse aux enfants de moins de treize ans.

A partir du 15 septembre 2009 le réseau des prestations du Chèque-Service-Accueil a été étendu aux institutions d’enseignement musical dans le secteur communal et aux écoles de sport (services d’animation et de formation sportives au niveau associatif).

Les chèques services sont un pas vers la gratuité de l’accueil éducatif des enfants. Le gouvernement souhaite améliorer l’égalité des chances des enfants, assurer l’accès de tous les enfants aux structures d’accueil, indépendamment de la situation sociale et économique de leurs parents.

Avec l’introduction du chèque service notre état veut aider les parents à concilier la vie de famille et les obligations professionnelles. Il donne priorité aux enfants exposés au risque de pauvreté ou d’exclusion. (Familles monoparentales etc.).

Le Luxembourg s’est engagé à augmenter le taux d’emploi féminin au sein de l’Union européenne. La mesure du chèque service devrait promouvoir l’intégration des parents sur le marché de l’emploi.

Avant les élections parlementaires du 13 juin 2009 les décideurs politiques ont rapidement instaurés le C.S.A. Ce bonbon électoral est tombé pile et a aussi permis à certains de consolider leur fauteuil au sein du gouvernement.

Les enfants se retrouvent sur les listes d’attente des crèches et des maisons relais. Par manque d’infrastructures, des containers ont été provisoirement installés.

Le manque de personnel éducatif déjà dénoncé par les syndicats, au vu des restrictions budgétaires, pourrait devenir chronique. Les mesures d’épargne à la charge des communes pour sortir de la crise vont à l’encontre du travail éducatif du personnel des crèches et des maisons relais.

Le chômage augmente rapidement mais dans les institutions sociales le personnel se retrouve avec une surcharge de travail.

En conclusion le chèque-service-accueil est une bonne chose pour l’égalité des chances des enfants et des femmes, mais parallèlement il faut en garantir la qualité et pour cela créer de nouvelles places de travail pour les hommes et femmes dans le secteur d’aide à la personne et ne pas voir le travail engagé des employés du secteur social et éducatif en termes de rentabilité.

EU-Fahrplan für Gleichstellung
von Frauen und Männern

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo


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Die EU verfügt über eine Menge von Fahrplänen. Und so gibt es auch einen Fahrplan für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Allerdings stellt sich die Frage: Ist irgendein EU-Zug jemals angekommen?

Seit 2001 gibt es Fahrpläne mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Beispielsweise für die Senkung der Frauenarbeitslosigkeit.

Trotz einschlägiger EU-Rechtsvorschriften besteht zwischen Frauen und Männern noch immer ein Einkommensunterschied von 15 Prozent, der auf strukturelle Ungleichheiten wie sektorbezogene Segregation zurückzuführen ist. 

Frauen stellen im Schnitt 30 % der Unternehmer in der EU. Der Zugang zu Finanzmitteln und Ausbildung ist für sie häufig schwieriger als für Männer.

Die Gefahr der Verarmung ist bei Frauen größer als bei Männern, denn bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit einer Unterbrechung ihrer beruflichen Laufbahn und damit des Erwerbs geringerer Ansprüche größer. Die Sozialsysteme sollten es den Frauen ermöglichen, ausreichende individuelle Rentenansprüche anzusammeln.

Frauen und Männer sind mit jeweils spezifischen Gesundheitsrisiken konfrontiert. Die medizinische Forschung und zahlreiche Sicherheits- und Gesundheitsstandards sind stärker auf Männer und männlich dominierte Arbeitsbereiche ausgerichtet.

Die EU ist der festen Überzeugung, dass dem Lissabonner Vertrag sogar eine Strategie für die Gleichstellung innewohnt. Zitat: »Die Lissabon-Strategie gibt eine Frauenbeschäftigungsquote von 60 % bis 2010 vor. Derzeit liegt sie bei 55,7 % und ist für ältere Frauen (55-64 Jahre) deutlich niedriger (31,7 Prozent). Auch die Arbeitslosenquote ist für Frauen höher als für Männer (9,7 % gegenüber 7,8 %). Die Geschlechterdimension der Lissabon-Strategie für Arbeitsplätze und Wachstum muss gestärkt werden.« Was gestärkt wird, ist die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, sinkende Löhne und schlechtere Arbeitsbedingungen insbesondere auch für Frauen. Die kapitalistische Globalisierung, die von der EU gefördert wird, führt gerade dazu, dass sich für Millionen von Frauen die Lebens- und Arbeitsbedingungen dramatisch verschlechtern. Die verschiedenen Zeitphasen der Fahrpläne werden von der EU so verkauft, als würden sie einer inneren Logik entsprechen. Erkennbar ist folgende Logik: Für die Frauen ändert sich nichts Wesentliches.

Die Entzauberung des Zauberwortes Gender mainstreaming

1995 forderte die Weltfrauenkonferenz in Peking die Anwendung des neuen Instrumentes Gender mainstreaming. Die EU bekannte sich zuvor im Amsterdamer Vertrag ebenso zu dieser Vorgehensweise, gefolgt von den einzelnen nationalen Regierungen.

Gender mainstreaming bedeutet die Entwicklung, Organisation und Evaluierung von Entscheidungsprozessen mit dem Ziel, die Geschlechterperspektive in alle politisch-administrativen Maßnahmen auf allen Ebenen durch alle am Entscheidungsprozess beteiligten einzubringen. In diesem Sinne bedeutet der Leitgedanke, die politischen Akteure verpflichtet werden, bei allen Vorgaben die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu analysieren und ihre Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter beitragen (www.gender-mainstreaming.net). Sie ist also in diesem Sinne die Strategie oder Politikmethode, um die Gleichstellung zu erzielen. Es geht also nicht um Frauenförderung. Viele Frauen haben Gender mainstreaming begrüßt, weil Gleichstellungspolitik zur offiziellen Leitlinie in der Politik entwickelt wurde. Allerdings wird auch die Auffassung vertreten, dass das Mainstreaming in Deutschland dazu geführt habe bzw. dazu missbraucht worden ist, Frauenreferate und Frauenbeauftragte auf kommunaler Ebene und auf der Ebene der Bundesländern abzuschaffen, Frauenhäuser zu schließen und Frauenförderprogramme auf Eis zu legen.

Kritisiert wird, dass in diesem Politikkonzept das Primat der Ökonomie vor das Primat der gleichen Rechte gestellt wird, etwa wenn mit der innovativen Kraft von Frauen und der speziellen Humanressource von Frauen für Unternehmen argumentiert wird. Indem Chancengleichheit als Erfolgsfaktor für Unternehmen dargestellt wird, wird Frauenpolitik zu einem Unterpunkt von Wirtschaftspolitik und passfähig für ein neoliberales Gesellschaftskonzept gemacht. Gender mainstreaming geht auf das Konzept Managing Diversity und damit auf eine harmonistische, marktliberale Philosophie zurück, die keine Interessensgegensätze zwischen Kapital und Arbeit und keine verfestigten Verteilungsgerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern kennt.

Das Zukunftsmodelle der EU: die neoliberal gestylte Frau oder Armut

Die Frauenbewegung der 80er Jahre und ihre Forderungen sollen uminterpretiert werden. Denn sie hat in Europa mit dazu beigetragen, ein neues Frauenbewusstsein zu schaffen. Sie erweiterte den Emanzipationsbegriff, indem ihm neben den Grundsätzen wie ökonomische Unabhängigkeit auch verstärkt sexuelle Freizügigkeit, das Selbstbestimmungsrecht und die Befreiung von männlicher Gewalt zugeordnet wurden.

Ein neoliberaler Markt braucht Frauen, die eine hohe Anpassungsfähigkeit besitzen. Emanzipiert ist nach diesem Modell eine Frau heute, wenn es ihr gelingt, Kinder und Familie unter einen Hut zu bringen und erfolgreich im Beruf zu sein. Dies natürlich möglichst ohne wehleidige Klagen, gut gestylt, selbstbewusst und glücklich als Mutter und Frau.

Emanzipiert ist eine Frau, wenn sie Arbeit, familiäre und gesellschaftliche Anforderungen individuell lösen kann. Frauen sollen also nicht ihre Anforderungen und Vorstellungen an das politische und ökonomische System formulieren, sondern sich an die herrschenden Verhältnisse anpassen und einfügen. Eine Frau, die dies nicht schafft, ist halt nicht emanzipiert. Ihr droht das gesellschaftliche Aus. Denn wie könnte man sonst erklären, dass die Europäische Union zwar eine der reichsten Gegenden der Welt ist, nichtsdestotrotz aber weit über 17% der EU-Bürger nicht genügend Mittel haben, um sich ihre grundlegendsten Bedürfnisse erfüllen zu können? Armut wird oft mit Entwicklungsländern in Verbindung gebracht, wo Unterernährung, Hunger und der Mangel an sauberem Trinkwasser zum Alltag gehören. Aber Europa ist ebenso von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen. Dies gilt vor allem auch für Frauen.

Es gibt für die Frauen in Europa Anlass, sich stärker mit den Frauenbewegungen in Lateinamerika und ihren Erfolgen auseinanderzusetzen. Dies kann die Diskussion in Europa nur bereichern. In Venezuela wurde in Artikel 88 der Verfassung aufgenommen, dass häusliche Arbeit als eine ökonomisch produktive Tätigkeit anerkannt wird, um zu ermöglichen, dass die Hausfrauen die Vorteile der Sozialversicherung in Anspruch nehmen können. Frauen bekommen das Recht auf eine Rente, sowie Gesundheitsvorsorge, eine anständige Wohnung, Sicherheit in der Lebensmittelversorgung, eine fundierte Ausbildung und Schulungen für Arbeit und Selbstversorgung.

Die UNO schätzt die Zahl der Sexsklavinnen in Europa auf 500.000. Es ist ein Milliardengeschäft. Viele Frauen kommen aus Osteuropa und vom Balkan, aus Afrika und Asien. 2007 wurde in Venezuela ein Gesetz verabschiedet, das Frauen das Recht auf ein gewaltfreies Leben garantieren soll. Es zählt unter anderem die Anerkennung von 19 Typen von Gewalt, zu denen neben institutioneller und medialer wie auch symbolischer Gewalt unterschieden wird.Es handelt sich dabei nicht um ein einfaches, sondern um ein Gesetz mit Verfassungscharakter.

Natürlich sind viele dieser Entwicklungen widersprüchlich. Aber sie zeigen, was möglich ist, wenn eine Politik durchgesetzt werden kann, die den Menschen dient und gesellschaftliche Verhältnisse verändert werden. Und so etwas brauchen die Frauen in Europa mehr denn je. 

Susanne Bauermann, Saarbrücken