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Für bessere Bildung, gegen Arbeitslosigkeit

Luxemburger Vertreter beim Kongreß der Kommunistischen Jugend Griechenlands


Mit einem Film zur Geschichte der Organisation und der Eröffnungsrede ihres Sekretärs Themis Gionis begann am 12. Mai 2006chen deutschen Besetzung, während des anschließenden Bürgerkrieges und während der Militärdiktatur 1968-74 konnten ihre Mitglieder nicht legal arbeiten. Erst seit 1974 besteht die KNE in ihrer jetzigen Form und vereint Tausende junge Kommunisten aus dem ganzen Land.

In seiner Ansprache an die Delegierten erinnerte Themis Gionis u.a. an die nach 1990 durchlebte Krise, von der auch die Kommunisten in Griechenland nicht verschont blieben. Habe man damals noch mit wenigen Kräften den Kampf neu begonnen, so habe sich die KNE an der Seite der KKE in den zurückliegenden Jahren zur kämpferischen und mitgliederstarken Avantgarde der Jugend entwickelt.

"Unsere Zukunft ist nicht der Kapitalismus"

Der KNE-Sekretär erinnerte an die Parole "Unsere Zukunft ist nicht der Kapitalismus, sondern die neue Welt, der Sozialismus". Diese Losung sei lebendig und aktuell. "Sie wird täglich im Kampf und den Aktionen der jungen Kommunisten artikuliert und erprobt, überall dort, wo die junge Generation lebt, arbeitet und lernt. Diese Parole wird immer mehr zu unserer Tagesordnung, zum Leitbild für unser Leben."

Themis Gionis forderte die Mitglieder der KNE auf, die Errungenschaften des Sozialismus gegen die um sich greifende antikommunistische Hetze zu verteidigen und dabei keine Diskussion mit der Jugend zu scheuen: "Wir sind stolz auf die Errungenschaften des Sozialismus für die Jugend. Dort hat kein Jugendlicher mit der Furcht vor Arbeitslosigkeit gelebt, keiner war unversichert." Bei allen Unzulänglichkeiten und Problemen während des Aufbaus des Sozialismus sei dieser dem Kapitalismus trotzdem haushoch überlegen gewesen.

Neben einer Delegation des Zentralkomitees der KKE mit ihrer Generalsekretärin Aleka Papariga nehmen Vertreter von 63 Jugendorganisationen aus 51 Ländern am Kongreß teil, darunter auch der Präsident des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ), Miguel Madeira. Die Jugendgruppe der KPL wird durch Steve Richer, das jüngste Mitglied im Exekutivkomitee der Partei, in Athen vertreten.

Steve Richer, KPL: Luxemburg ist kein Schlaraffenland für die Jugend

Bereits am Vorabend des Kongresses fanden in Athen mehrere Diskussionsveranstaltungen statt, an denen vor allem Mitglieder der KNE, die nicht als Delegierte am Kongreß teilnehmen, Gelegenheit bekamen, mit den ausländischen Gästen ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam mit Abgesandten aus Kuba, El Salvador, Algerien, Syrien und Marokko sprach Steve Richer im Konferenzraum der Bauarbeitergewerkschaft über die Situation der luxemburgischen Jugendlichen.

Das im Ausland verbreitete Bild von Luxemburg als Schlaraffenland, entspreche keineswegs der Realität, betonte er. Die Realität der Jugendlichen sei vielmehr auch in Luxemburg von Arbeitslosigkeit, prekären Arbeitsverhältnissen und sogar hohen Selbstmordzahlen geprägt. Für die wirklichen Probleme der Jugend böten LSAP und CSV keine Lösung, da sie den Sozialabbau noch weiter forcierten. Eine Veränderung zum Besseren sei daher vor allem Aufgabe der Kommunisten, denn, so war er sich mit den übrigen Versammelten einig: "Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt".

Mit der Wahl des neuen Führungsgremiums, des 65köpfigen Zentralrates, endete der 9. Kongreß der KNE am Wochenende. Themis Gionis wurde einstimmig als Sekretär der Jugendorganisation wiedergewählt.

"Mich hat vor allem die kämpferische Stimmung der jungen griechischen Kommunisten beeindruckt", meint der Luxemburger Steve Richer. "Das wichtigste daran waren die Gespräche, die ich mit den griechischen Genossen, aber auch mit dem WBDJ-Präsidenten und den Vertretern anderer Jugendorganisationen führen konnte", sagte Steve im Gespräch mit der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek.

Bildung - kein Privileg

Die Erfahrungen anderer Organisationen können für die praktische Tätigkeit der jungen Luxemburger Kommunisten sehr hilfreich sein. "Die KNE kümmert sich zum Beispiel besonders um die Schulen und Hochschulen, da dort viele junge Menschen zu erreichen sind. Die Organisation tritt dafür ein, daß Bildung ein Recht sein muß, und kein Privileg", sagte uns Steve Richer. Da in Griechenland mehr als 90 Prozent der Betriebe weniger als 20 Angestellte haben, ist dies sicher ein sinnvoller Ansatz.

Bildung war eines der Themen, die auf dem KNE-Kongreß ganz besonders diskutiert wurden. Bereits seit Jahren kämpfen Lernende und Lehrende in Griechenland gemeinsam für mehr Lehrkräfte und eine bessere Ausstattung von Schulen und Hochschulen. Durch aktuelle Bestrebungen der regierenden konservativen Nea Dimokratia im Einklang mit der sozialdemokratischen "Opposition", das staatliche Bildungsmonopol zu stürzen und die Einführung privater Hochschulen zu fördern, gewinnt dieser Kampf besondere Brisanz.

Spitze bei der Jugendarbeitslosigkeit

Ein anderes großes Thema des KNE-Kongresses war die Arbeitslosigkeit. Mit rund 25 Prozent liegt Griechenland bei der Jugendarbeitslosigkeit an der Spitze der EU. Gemeinsam mit der kommunistisch orientierten Gewerkschaftsfront PAME kämpft die KNE daher um unbefristete Arbeitsverhältnisse bei menschenwürdigen Löhnen für jedermann.

Positiv aufgefallen ist Steve Richer auch der hohe Frauenanteil unter den griechischen Jungkommunisten. "Nicht nur unter den Delegierten, auch im Präsidium des Kongresses waren viele Frauen vertreten." Das ist nicht selbstverständlich im traditionell sehr patriarchalisch geprägten Griechenland. Die Kommunistische Partei ist die einzige im Lande mit einer Frau an der Spitze. Und die Generalsekretärin der KKE, Aleka Papariga, war auch auf dem Kongreß anwesend und empfing die ausländischen Delegierten zu einem Gespräch am Sitz der Partei.

In ihrer Ansprache an den Kongreß hat Aleka Papariga die Versammelten aufgefordert, über das Ziel einer kostenlosen staatlichen Bildung hinaus zu denken. "Wir müssen dieses Ziel in einem tieferen Sinn angehen. Wir müssen uns Gedanken darüber machen, welche Bildung, in welcher Gesellschaft wir wollen. Bildung ist selbstverständlich mit der Ökonomie eines Landes verbunden, das war auch in den sozialistischen Ländern so." Kritik am kapitalistischen Bildungswesen ist für die Generalsekretärin der KKE untrennbar mit der Kritik am Kapitalismus verbunden: "Deswegen kritisieren wir am Kapitalismus auch nicht, daß er Bildung mit dem Markt verknüpft, sondern daß er sie den Interessen des Kapitals unterordnet."

Die Rede der Parteichefin hat auch auf die ausländischen Teilnehmer Eindruck gemacht: "Wie sie die Leute angefeuert hat, das war schon toll", meint Steve Richer.

Erfolgreiche WBDJ-Tagung

Der Vertreter der Luxemburger Jungkommunisten sprach in Athen auch mit Miguel Madeira, dem Präsidenten des Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ). Auf einer Tagung des Generalrates des WBDJ in Athen unmittelbar vor dem KNE-Kongreß würdigte er den Beitrag der griechischen Kommunisten als "ideologisch und praktisch sehr wertvoll" für die weitere Entwicklung der größten und wichtigsten internationalen Jugendbewegung. Auf der Ratstagung waren erstmals seit vielen Jahren 50 Organisationen aus 40 Ländern vertreten. "Dies ist ein großer Schritt nach vorn", meint Miguel Madeira und hofft, daß sich diese Entwicklung auch auf dem für Anfang nächsten Jahres in Vietnam geplanten WBDJ-Kongreß fortsetzt.

Von Marathon nach Athen

Im Anschluß an den KNE Kongreß nahmen die ausländischen Gäste am 13. Mai 2006 am traditionellen Friedens-Marathon des "Komitees für internationale Entspannung und Frieden" (EDYE) teil. Mehr als 1.000 vorwiegend junge Menschen waren schon am frühen Morgen im 42,5 Kilometer vor Athen gelegenen historischen Ort Marathon aufgebrochen. Während des stundenlangen Marsches stießen an verschiedenen Stellen des Weges dann nochmals viele Teilnehmer dazu, so daß die Demonstration an der US-Botschaft im Stadtzentrum von Athen auf mehrere tausend Menschen angewachsen war. An dieser Stelle schloß sich auch der überwiegende Teil der ausländischen Gäste des KNE-Kongresses dem Friedensmarsch an.

Steve Richer dagegen war mit zwei weiteren ausländischen Freunden die kompletten 42,5 Kilometer mitgelaufen. Als der Demonstrationszug unter dem Beifall der Umstehenden auf dem Syntagma-Platz im Herzen der griechischen Hauptstadt ankam, war der junge Luxemburger zwar erschöpft, aber auch sehr zufrieden: "Der Marsch mit den vielen Gleichgesinnten war ein beeindruckendes Erlebnis, das ich jederzeit wiederholen würde", sagte er.

Im Gedenken an den Gründer der EDYE, den kurz nach dem ersten Friedens-Marathon im Mai 1963 ermordeten linken Abgeordneten Grigoris Lambrakis, protestieren bei diesem traditionellen Friedensmarsch jährlich Tausende gegen imperialistische Kriegspolitik überall auf der Welt.