65. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus – Gedenkfeier der KPL am russisch-sowjetischen Ehrenmal in Esch-Lallingen
»Die Sowjetunion trug die Hauptlast des Krieges gegen den Faschismus«
Aus Anlass des 65. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus hatte die KPL am 8. Mai zu einer Gedenkveranstaltung vor dem russisch-sowjetischen Ehrenmal in Esch-Lallingen eingeladen. An der Gedenkfeier nahm auch der Direktor des Russischen Kulturzentrums in Luxemburg, Anatolij Blinov, teil.
Musikalisch wurde die Gedenkveranstaltung vom Lied »Swjaschtschennaja Woina« (Der heilige Krieg), das Alexander Alexandrow im Jahre 1941 für die Rote Armee komponierte, und von der sowjetischen Nationalhymne, die gleichfalls von Alexandrow komponiert wurde, umrahmt.
Nachstehend die Ansprache von KPL-Präsident Ali Ruckert anlässlich der Feier:
Wenn wir heute vor diesem Monument stehen, dann darum, um allen Geschichtsfälschungen und allem Geschichtsrevisionismus zum Trotz daran zu erinnern, daß es die Sowjetunion war, die die Hauptlast des Krieges gegen den Faschismus getragen hat, und daß das russische Volk und all die anderen Völker der Sowjetunion, die Rote Armee und die Kommunistische Partei der Sowjetunion große Opfer dafür gebracht haben, den Hitlerfaschismus vernichtend zu schlagen und die europäischen und asiatischen Völker vom Faschismus zu befreien.
Wäre die Sowjetunion damals kein sozialistischer, sondern ein kapitalistischer Staat gewesen, wie es Rußland heute ist, wäre der Krieg wahrscheinlich anders ausgegangen. Es ist nicht anzunehmen, daß die russische Arbeiterklasse bereit gewesen wäre, derartig große Opfer auf sich zu nehmen, um die Privilegien der Oligarchen zu verteidigen.
Indem sie die Hauptlast des Krieges auf sich nahm, hat die Sowjetunion auch dazu beigetragen, unserem Land die Freiheit und Unabhängigkeit zurückzubringen – auch wenn Luxemburg von US-amerikanischen Soldaten befreit wurde, denen wir auch in Zukunft dafür dankbar sein werden, daß sie die faschistischen Besatzer aus unserem Land verjagt haben.
In gleichem Maße zollen wir auch heute unseren höchsten Respekt allen Nationen der damaligen Anti-Hitler-Koalition, den alliierten Armeen, den Partisaneneinheiten und Widerstandsorganisationen, die ihren Betrag geleistet haben zum Sieg über den Faschismus, diese barbarische Diktatur der reaktionärsten Elemente des Groß- und Finanzkapitals.
Diejenigen, die den Krieg erlebt haben, haben uns oft erzählt, wie unser Volk wieder neue Hoffnung schöpfte, nachdem die Rote Armee den deutschen Faschisten bei Stalingrad eine vernichtende Niederlage beigebracht hatte, die den Anfang vom Ende des Hitlerfaschismus bedeuten sollte. Und welche Freude war es für die Tausenden Luxemburger, die von der Roten Armee aus den Klauen der Nazis in den Gefängnissen und Konzentrationslagern oder aus der Umsiedlung befreit wurden!
Es ist notwendig, an die historischen Tatsachen zu erinnern
Heute aber schreiben die Sieger des Kalten Krieges die Geschichte, und die sind keineswegs daran interessiert, die Rolle der Sowjetunion beim Sieg über den Faschismus so darzustellen, wie es den historischen Tatsachen entspricht.
Im Gegenteil! Es wird alles dafür unternommen, die Rolle der Sowjetunion kleinzureden, die Sowjetunion und die Rote Armee zu diskreditieren. Heute gibt es bereits Historiker, die völlig ungestraft mit der Lüge hausieren gehen dürfen, daß nicht Hitler, sondern die Sowjetunion die Schuld trage am Zweiten Weltkrieg und an den Millionen Toten, die das faschistische Abenteuer gebracht hat, das dem deutschen Kapital die Herrschaft über ganz Europa sichern sollte.
»Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!«
Wenn Bertold Brecht geschrieben hat, »der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!« – dann hat das auch heute, 65 Jahre nach dem Sieg über den Faschismus, noch immer seine Gültigkeit. Wenn wir sehen, wie in unseren Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Belgien, wie in Italien, Spanien, Lettland und Ungarn faschistische und rechtsextreme Parteien die Rolle des Rattenfängers übernehmen, dann wäre es ein großer Fehler anzunehmen, die nationalen Bourgeoisien und Kapitalgruppen hätten die Option aufgegeben, ein faschistisches Terrorregime gegen die Arbeiterklasse zu errichten, um damit grundlegende gesellschaftliche Veränderungen zu verhindern.
Dafür muß man nicht unbedingt mit dem Hakenkreuz auftreten. So wie damals Gruppierungen aus der Wirtschaft Hitler unterstützt und an die Macht gebracht haben, gibt es auch heute wieder starke Kräfte, die die USA-Regierung und die Regierungen der EU-Länder dazu drängen, demokratische Rechte einzuschränken, die arbeitenden Menschen auszurauben und militärische Aufrüstung voranzutreiben, Kriege in Afghanistan und im Irak zu führen, Kuba und andere Länder, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollen, zu bedrohen und langfristig einen Krieg gegen die Volksrepublik China vorzubereiten, letztlich die Welt zu erobern und alle Völker der Diktatur des Kapitals zu unterwerfen.
Für den Frieden eintreten
Die erste Aufgabe aller Menschen, die für eine friedliche und fortschrittliche Welt sind, die erste Aufgabe der Kommunisten muß darin bestehen, für den Frieden einzutreten und alle faschistischen und reaktionären Kräfte zu bekämpfen, die sich die Völker unterwerfen und die Welt in Brand setzen wollen.
Das wollen wir uns an diesem 65. Jahrestag des Sieges über den Faschismus zu Herzen nehmen, hier am russisch-sowjetischen Denkmal, das vor 53 Jahren von der »Association des Parents des Déportés Militäires Luxembourgeois«, dem Repatriierungsministerium und der Staat Esch errichtet worden war, um der 52 Sowjetbürger – gefangengenommene Soldaten und aus Rußland verschleppte Arbeiterinnen und Arbeiter – zu gedenken, die auf Escher Boden an den Folgen der unmenschlichen Behandlung durch die Nazis gestorben sind.«
Gedenkfeier am Grab von Zénon Bernard
Im Anschluß an die Gedenkfeier legte die KPL auch Blumen am Grab von Zénon Bernard (1893-1942) nieder und ehrte damit ihn und alle von den Nazis ermordeten Kommunisten. Nachstehen die Rede von KPL-Präsident Ali Ruckert im Wortlaut:
»Wenn wir heute, am 8. Mai, am Tag der Befreiung vom Faschismus, Blumen am Grab von Zénon Bernard niederlegen, der 1921 Gründungsmitglied, 1934 der erste Abgeordnete und von 1922 bis 1942 zuerst Generalsekretär und dann Präsident der KPL war, dann wollen wir damit auch daran erinnern, daß die Kommunistische Partei in der Zeit der Besetzung unseres Landes durch die Nazis es als einzige Partei abgelehnt hat, sich aufzulösen, und statt dessen den Weg in die Illegalität vorgezogen hat. Sie hat Widerstand geleistet und einen hohen Blutzoll dafür bezahlt, daß das Land wieder frei wurde.
Viele Kommunisten sind in den Gefängnissen von den Faschisten geschlagen und gefoltert, in den Konzentrationslagern erniedrigt und gequält worden. Viele der besten kommunistischen Genossen wurden von den Nazis ermordet:
Valentin Adamy, Vorsitzender der kommunistischen Jugend, Nic Bausch, Generalkassierer der KPL und auf der illegalen Konferenz zu Pfingsten 1941 mit der Leitung der illegalen Partei betraut, Jean Barnich, Jean Bero, Alfred Branchini, Marcel Cesarini, Franz Ewen, Georges Fedler, Jean-Pierre Felten, Henri Gallé, Pierre Meyländer, Nicolas Ney, André Pasini, Adolphe Peiffer, Catherine Pretti, Dino Ramberti, Jean-Pierre Rasquin, Nicolas Schimberg, Corneille Schmit, Jean Schmit, Michel Scholtes, Heini Spanier, Jean Thillmann, Ernest Toussaint, Pierre Tuchong – und eben auch Zénon Bernard, den die Nazis 22 Monate nachdem sie ihn am 13. September 1940 verhaftet hatten, am 25. Juli 1942 in Kassel ermordet haben – »durch SS-Pille«, wie sie es zynisch nannten. Das Datum der Verhaftung von Zénon und am selben Tag auch von Jéhan Steichen, Chefredakteur der kommunistischen »Volksstimme«, aber auch die illegalen Flugblätter aus jener Zeit beweisen eindeutig, daß es eine Lüge ist, wenn behauptet wird, die Kommunisten hätten erst dann begonnen Widerstand zu leisten, nachdem Hitler am 22. Juni 1942 die Sowjetunion überfallen hat.
Die Kommunisten hatten lange vor der Besetzung unseres Landes durch die Nazis den Kampf gegen die Faschisten aufgenommen
Zénon und viele andere Kommunisten hatten jedoch schon viel früher den Kampf gegen die Faschisten aufgenommen, noch bevor die Nazis Luxemburg besetzt haben. Zur historischen Wahrheit gehört auch, daß sie die illegale KPD in Trier im antifaschistischen Kampf unterstützt und beim völligen Neuaufbau der Parteiorganisation geholfen haben, nachdem die meisten Genossinnen und Genossen von Trier verhaftet worden waren.
Die Wohnung von Zénon und von Beby in der Industriestraße in Esch war einer der wichtigsten Anlaufpunkte für viele Kommunisten und Antifaschisten, die sich aus Deutschland, Italien und Ungarn vor den Faschisten in Sicherheit bringen mußten, aber auch für viele junge Luxemburger, die, nachdem sie von Zénon über die französische Grenze zur PCF geschleust worden waren, in den Jahren 1936 bis 1938 nach Spanien gingen, um in den Internationalen Brigaden mit der Waffe in der Hand gegen die Franco-Faschisten zu kämpfen.
Aber auch die besten Genossen machen in schwachen Momenten Fehler, wenn sie die Lage nicht richtig einschätzen und nicht auf die Partei hören. Und solch einen Fehler, der schwere Konsequenzen nach sich zog, hat auch Zénon begangen, als er der Aufforderung der Partei, sich entweder hier im Land oder im Ausland zu verstecken, nicht nachgekommen ist. Das führte dazu, daß er, nachdem er sich schon jeden Tag auf dem Gestapo-Büro melden mußte, nach einer Woche verhaftet wurde.
Zénon Bernard und alle Kommunisten, die von den Nazis ermordet wurden, wollen wir heute ehren, indem wir an seinem Grab Blumen niederlegen.«
Anschließend beteiligten die Kommunisten sich an einer weiteren Gedenkfeier vor dem russisch-sowjetischen Ehrenmal, während der Alexander Schulgin, Botschafter der Russischen Föderation, Admiral Alexander Bashinski, Militärattaché für die Benelux-Staaten, und die Escher Bürgermeisterin Lydia Mutsch Blumen niederlegten.










