Wer kämpft, soll auch feiern
Mehrere Hundert Besucher beim traditionellen
”Wisefest“
der Zeitung vum
Lëtzebuerger
Vollek
Daß man mit den Kommunisten nicht nur gegen Sozialabbau, Aufrüstung und den Abbau gewerkschaftlicher und demokratischer Rechte kämpfen, sondern auch vorzüglich Feste feiern kann, erlebten am Wochenende vom 5. und 6. Juli 2008 die mehreren Hundert Besucher des traditionellen Volksfestes der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek im Park Backes in Sanem. In einer offenen solidarischen Atmosphäre bot das 33. »Wisefest« ein vielfältiges Angebot an Kultur, Diskussion und Information. Und weil auf einem Volksfest auch für das leibliche Wohl gesorgt sein muß, konnte man an den diversen Ständen auch gut trinken und essen.
Neben dem Infostand der Kommunistischen Partei Luxemburgs (KPL) und ihres Jugendverbandes JCL hatten Schwesterparteien aus Belgien (PTB), Deutschland (DKP), Griechenland (KKE), Portugal (PCP) und Spanien (PCE) ihre Stände aufgebaut, zudem war die Berliner Tageszeitung »junge Welt« wieder mit einem Stand vertreten. Wie immer wurde das »Wisefest« am Samstag von der Suessemer Musék eröffnet, anschließend trat die portugiesische Tanzgruppe Onda Jovem auf der Hauptbühne vor dem großen Zelt auf, bevor die über die Grenzen Luxemburgs bekannte Band The Barcodes mit einer gelungenen Mischung aus Jazz, Blues und Rock dem Publikum bis tief in die Nacht hinein einheizte.
Einheizen, wenn auch nach eigenem Bekunden nur halb so laut wie The Barcodes, scheint auch die Spezialität des Frankfurter Liedermachers Ernst Schwarz zu sein, der am Samstag in der Schampesbar und am Sonntag im Essenszelt auftrat und sein Publikum mit traditionellen Liedern der Arbeiterklasse genauso zu begeistern wußte, wie mit »Rote Fahnen soll man hissen« und anderen Adaptionen bekannter Schlager. Das Sonntagsprogramm des wie immer ausschließlich unentgeltlich und von Freiwilligen aufgebauten und durchgeführten Volksfestes wurde von der Escher Biergarbechtermusék eröffnet, die den Empfang aus Anlaß des 62. Jahrestages des ersten Erscheinens einer kommunistischen Tageszeitung in Luxemburg musikalisch umrahmte. Indem das Publikum gemeinsam mit der Africulture Group das Lied »We shall not be moved« sang, erklärte es sich zugleich solidarisch mit den von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen.
Musikalischer Höhepunkt des Festes war in diesem Jahr der Auftritt der kubanischen Band La sonora cubana, die den Park Backes am Sonntagnachmittag für einige Stunden in den Malecon Havannas verwandelte. Konnte an beiden Tagen mit ausländischen Gästen wie Babis Angourakis vom Zentralkomitee der KKE, Rainer Rupp und anderen Autoren der Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek über innen- und weltpolitische Themen diskutiert werden, so stand das Protestmeeting mit KPL-Präsident Ali Ruckert am Sonntag ganz im Zeichen des von der CSV/LSAP-Regierung betriebenen Sozialabbaus.
Kampagne gegen Sozialabbau: KPL steht nicht mehr allein
Stand die KPL 2006, als sie ihre Kampagne gegen die Indexmanipulation
und jede Form des Sozialabbaus lancierte, noch alleine da, so sei die
Wut der Schaffenden über die Regierungspolitik mittlerweile
gewachsen und sogar die Gewerkschaften, die in der Tripartite noch mit
dem Sozialabbau einverstanden waren, forderten mittlerweile ein Ende
der Indexmanipulation und daß die Löhne und
Gehälter wieder an die Inflation angepaßt werden. In
Jahresfrist, so Ali Ruckert, seien die Preise für Lebensmittel
um durchschnittlich fünf Prozent gestiegen, die für
Mehl sogar um acht, für Weizen um zehn, für
Kalbfleisch und Geflügel ebenfalls um zehn, für Milch
um 20 und für Heizöl um unglaubliche 40 Prozent.
Angesichts dieser Zahlen sei die Regierungsentscheidung, die
administrativen Preise einzufrieren, »nur ein Tropfen auf den
heißen Stein«. Hingegen forderten die Kommunisten,
daß die vom Staat und den Gemeinden beschlossenen massiven
Preiserhöhungen rückgängig gemacht und auf
das Niveau vom 1. Januar 2007 zurückgesetzt werden,
daß für viele Lebensmittel Höchstpreise
festgelegt werden, daß eine strikte Preiskontrolle
eingeführt wird und daß den Spekulanten und den
großen Lebensmittelketten, die auf der einen Seite den
Zwischenhändlern die Preise diktieren und auf der anderen
Seite dicke Profite machen, auf die Finger geklopft wird.
Vor allem aber fordere die KPL, daß die Regierung die
Indexmanipulation und andere Tripartite-Maßnahmen sofort
rückgängig macht, daß die Familienzulagen
wieder an den Index gekoppelt werden, der Mindestlohn um mindestens
zwölf Prozent erhöht wird, und daß die
Steuertabelle und die Steuerfreibeträge, die seit 2002 nicht
mehr geändert wurden, integral an die Inflation
angepaßt werden. Auf der anderen Seite setze sich die
Kommunistische Partei dafür ein, daß die
Vermögenssteuer für Reiche wieder eingeführt
wird, eine TVA auf alle Börsentransaktionen geschaffen wird,
und daß die Profite des Groß- und Finanzkapitals
wieder stärker besteuert werden.
Daß die Regierung lüge, wenn sie behaupte, es sei
kein Geld da, zeige die Rekordaufrüstung, die unter anderem
die Anschaffung eines Militärtransporters vom Typ A400M
für 150 Millionen Euro und 48 gepanzerter Fahrzeuge umfasse.
Die Unterstützung der US-Kriege im Irak und in Afghanistan
müsse beendet werden, alle Soldaten müßten
heimkehren und langfristig müsse Luxemburg seine Armee
abschaffen und aus der NATO austreten. Auch die als Instrument des
Kapitals geschaffene EU lasse sich nicht reformieren. Vielmehr
gehöre auch sie abgeschafft, wenn es zu einer demokratischen,
sozial gerechten und friedlichen Politik und Zusammenarbeit zwischen
allen Völkern Europas kommen soll. »Vor uns liegen
elf wichtige Monate, in denen es sich entscheiden wird, ob es wieder zu
einer kommunistischen Vertretung im Parlament kommen wird“,
so Ali Ruckert abschließend. »Laßt uns
alles dafür tun, daß die KPL mit ihren offenen
Listen Erfolg haben wird und daß es wieder eine Stimme
für soziale Gerechtigkeit, Frieden, Demokratie,
antikapitalistische Veränderungen und Sozialismus in der
Chamber gibt!«









